Wie der Buchverlag Penguin Random House UK mitteilte, starb der britische Schriftsteller Martin Amis am Freitag im Alter von 73 Jahren. Auch die Webseite des Booker Prize und die „New York Times“ berichten von seinem Tod. Letztere beruft sich dazu auf Amis‘ Frau, die US-amerikanische Schriftstellerin Isabel Fonseca, mit der er im US-Bundesstaat Florida lebte. Amis starb an den Folgen einer Speiseröhrenkrebs-Erkrankung.

Er galt als einer der bedeutendsten britischen Schriftsteller der Gegenwart. In einem Nachruf bezeichnete Penguin Random House den Autor als „literarisches Wunderkind“, der seinen Debütroman mit 24 Jahren herausbrachte. Die britische Zeitung „Times“ würdigte ihn als „Giganten der Literatur“ und der „Guardian“ lobte, Amis habe eine Ära geprägt. Die Lektorin Michal Shavit würdigte Amis als „brillant witzigen“ und „furchtlosen“ Schreiber.

Martin Amis literarisches Werk

Der 1949 geborene Sohn des Comic-Autors Kingsley Amis (1922-1995) hatte Englisch an der Oxford University studiert. Seinen literarischen Durchbruch feierte er mit dem Roman „Das Rachel-Tagebuch“ (1973). Er wurde dafür mit dem Somerset-Maugham-Preis ausgezeichnet. Noch größere Berühmtheit erlangte er in den 1980-Jahren, als die britische Belletristik boomte. Zu seinen Kollegen der damaligen Zeit zählen Autoren wie Salman Rushdie, Julian Barnes, Kazuo Ishiguro und Ian McEwan.

Martin Amis hält im Smoking sein Buch Time's Arrow hoch

Martin Amis‘ Roman „Time’s Arrow“ stand 1991 auf der Shortlist des Booker Prize

Zu seinen bekanntesten Werken zählen „Gierig“ (1984) und „London Fields“ (1989). Mit spitzer Feder beschrieb er darin Absurditäten unserer Zeit. 1991 schaffte er es auf die Shortlist des Booker Prize, der wichtigsten Auszeichnung für englischsprachige Romane im Vereinigten Königreich. 2003 erreichte er die Longlist. Amis ist Autor von 14 Romanen und von mehreren Sachbüchern. Zuletzt brachte er 2020 „Inside Story“ heraus.

Der Film „The Zone of Interest“ läuft derzeit in Cannes

2015 erschien in Deutschland sein Roman „Interessengebiet“ (im Original: „The Zone of Interest“). Darin schildert Amis den Versuch einer Affäre im Konzentrationslager von Auschwitz. Das bereits ein Jahr zuvor auf Englisch erschienene Buch, das von der britischen Presse überwiegend positiv aufgenommen worden war, sorgte in Deutschland für Kontroversen. Der Hanser Verlag, der sonst Amis‘ Bücher auf den deutschen Markt bringt, lehnte es ab.

Den Grund der Ablehnung vermutete Alexander Menden einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung zufolge nicht in der KZ-Thematik, sondern in der verwendeten Sprache. Es handelt sich um ein Mix aus Deutsch und Englisch. Schließlich sprang der Schweizer Verlag Kein und Aber ein. Amis‘ Roman war Jonathan Glazer eine Inspirationsquelle zu seinem gleichnamigen Film, der aktuell im Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes läuft. Glazers „The Zone of Interest“ spielt vor der Mauer von Auschwitz in einer scheinbaren Idylle. Festivalbeobachter sehen in ihm einen Favoriten aus der ersten Woche.