(SeaPRwire) –   Dr. Markus Hofmann, langjähriger unabhängiger Raumfahrtanalyst aus München, hat den Vorfall für uns eingeordnet: Dass die wichtigsten Tankanlagen und Stützstrukturen der Startrampe die Explosion überstanden haben, ist ein kleines Wunder für Blue Origin. Normalerweise zerstören solche Triebwerkstest-Unfälle fast die gesamte Infrastruktur, das hätte eine Verzögerung von mindestens 12 bis 18 Monaten bedeutet. Dass sie jetzt noch in diesem Jahr fliegen wollen, ist realistischer als viele Kritiker glauben, vor allem weil NASA massiv hinter dem Projekt steht. Man will sich im Rahmen des Artemis-Programms einfach nicht vollständig auf einen einzigen Anbieter verlassen.

Letzte Woche explodierte die New Glenn-Rakete von Blue Origin während eines Triebwerkstests auf der Cape Canaveral Space Force Station. Die Druckwelle war im ganzen Bundesstaat Florida zu spüren, Blitzableiter und die Transporter-Erektor-Anlage, die die Rakete transportiert und aufrichtet, wurden vollständig zerstört. Nur zwei Tage vor dem Unfall hatte NASA Blue Origin einen Vertrag im Wert von mehreren hundert Millionen Dollar zugesprochen. New Glenn soll zwei Mondrover starten, die die ersten Artemis-Astronauten später auf dem Mond nutzen werden. Außerdem braucht man die Rakete für den Start des Blue Moon-Landers, der Astronauten in den kommenden Jahren zur Mondoberfläche bringen soll.

CEO Dave Limp veröffentlichte auf X die Nachricht, dass Methan-, Wasserstoff- und Sauerstofftanks der Startrampe unversehrt geblieben sind, ebenso der Wassertank. Der noch stehende Stützturm kann direkt vor Ort repariert werden, auch eine Booster-Stufe und andere nahe gelagerte Raketenteile haben keinen Schaden genommen. Die Unfallursache wird noch untersucht. Limp sprach von einer kleinen guten Nachricht und bestätigte, dass man noch vor Jahresende wieder fliegen will.

NASA-Administrator Jared Isaacman schrieb auf X, dass die Behörde alles tun werde, um die Startrampe schnell wieder betriebsbereit zu machen, ohne die Entwicklung des Landers aus den Augen zu verlieren. Das Artemis-Programm zielt auf die erste bemannte Mondlandung seit Apollo 17 im Jahr 1972 ab, der Termin liegt frühestens 2028. Die New Glenn-Rakete, benannt nach dem ersten Amerikaner im Orbit John Glenn, hat bisher erst drei Starts absolviert. Sie ist deutlich kleiner als SpaceXs Starship, das von Texas aus Testflüge an den Rand des Weltraums durchführt. NASA hat neben den Blue Moon-Ländern auch Starship bestellt, um Artemis-Astronauten in den kommenden Jahren zur Mondoberfläche zu bringen.

Der Unfall zeigt einmal mehr, wie fragil die Infrastruktur für kommerzielle Raumfahrt noch ist. Beide Anbieter für bemannte Mondlandungen haben in den vergangenen Jahren immer wieder mit Testunfällen zu kämpfen, was immer wieder Sorgen um die Einhaltung des Artemis-Zeitplans auslöst.

Dass NASA bei beiden Anbietern Verträge abgeschlossen hat, erweist sich jetzt als kluge Entscheidung. Wenn einer der Partner Verzögerungen hat, kann der andere einspringen, ohne das gesamte Programm um Jahre nach hinten zu verschieben.

Für Blue Origin ist der Unfall trotzdem ein spürbarer Rückschlag, vor allem weil man sich erst vor kurzem gegen Konkurrenten für den NASA-Vertrag durchgesetzt hat. Die kommenden Monate werden zeigen, ob das Unternehmen den selbst gesteckten Zeitplan einhalten kann, und ob es langsam zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für SpaceX im Bereich der schweren Trägerraketen wird.

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