
(SeaPRwire) – By: Christian Pierce
Jeder redet davon, dass SpaceX die Underwriter-Gebühren für seine Mega-IPO auf nur 0,75 Prozent drückt. Das ist der niedrigste Satz, der je für ein reguläres Börsendebüt in den USA gezahlt wurde. Üblich sind bei Deals dieser Größe 1 bis 3 Prozent, bei Facebook oder Uber lagen die Werte noch bei 1,1 bis 1,3 Prozent. Viele Beobachter wundern sich, warum Banken wie Goldman Sachs das trotzdem mitmachen. Die Antwort liegt in einem kaum bekannten Einnahmepool, der die offiziellen Gebühren um ein Vielfaches übertrifft.
Die geplante SpaceX-IPO soll 75 Milliarden Dollar durch den Verkauf von 555,6 Millionen Aktien zu je 135 Dollar einbringen. Mit der 15-prozentigen Grünschnittsoption für zusätzliche Nachfrage steigt die Gesamtsumme sogar auf über 86 Milliarden Dollar, dreimal so viel wie beim vorherigen Rekordhalter Alibaba 2014. Die offizielle Gebührensumme liegt damit bei rund 646 Millionen Dollar. Goldman Sachs ist „Lead Left Underwriter“, also derjenige, der die Zuteilung der meisten Aktien bestimmt. 5 Prozent der Aktien gehen an SpaceX-Mitarbeiter, die diese sofort nach dem Börsengang verkaufen dürfen – Elon Musk will also unbedingt einen hohen Kurssprung am ersten Handelstag.
Wenn die Aktie am ersten Tag um 20 Prozent steigt, machen die begünstigten Aktionäre einen Gesamtgewinn von 17,3 Milliarden Dollar. Rund 30 Prozent davon fließen als sogenannte „Soft Dollars“ zurück an die Underwriter, vor allem an Goldman Sachs. Das macht über 5 Milliarden Dollar, das Achtfache der offiziellen Gebühren. Auch die kommenden Börsengänge von OpenAI und Anthropic werden Goldman weitere hohe Einnahmen bescheren. Der IPO-Prozess hat sich trotz aller Tech-Disruption seit Jahrzehnten nicht geändert – und Wall Street will das auch gar nicht.
Author bio: Christian Pierce, leitender Finanzkolumnist und erfahrener Börsenkommentator für renommierte internationale Wirtschaftsmedien.